Papercrete
Stand: 2. November 2026
Papercrete ist ein innovativer Verbundwerkstoff aus recycelten Papierfasern, Zement und Sand, der durch seine hervorragende Wärmedämmung und ökologische Bilanz besticht. Es wird primär für den nicht-tragenden Wandbau oder als Dämmstoff in ökologischen Bauprojekten eingesetzt.
Papercrete besteht aus Altpapier, Zement und Gesteinsmehlen. Es ist ein leichtes, gut dämmendes Baumaterial, das vor allem im ökologischen Nischenbau für nicht-tragende Wände oder Dämmungen verwendet wird. Es bietet hohe thermische Effizienz durch Upcycling von Abfallstoffen.
Grundlagen des Papercrete
Papercrete ist ein aus den USA stammendes Baumaterial, das in den letzten Jahren zunehmend Aufmerksamkeit im Kontext der zirkulären Bauweise in Deutschland findet. Die Mischung aus recycelten Zellulosefasern (Altpapier, Kartonage), Bindemitteln (meist Zement oder Kalk) und mineralischen Zuschlägen (Sand/Perlite) führt zu einem Material mit einzigartigen physikalischen Eigenschaften.
Materialeigenschaften
Die Dichte von Papercrete ist variabel einstellbar. Je nach Mischverhältnis kann das Material als weiches Dämmmaterial oder als formstabiler Block gefertigt werden. Die thermische Leitfähigkeit ist aufgrund der luftgefüllten Porenstruktur und der isolierenden Eigenschaften der Zellulose bemerkenswert niedrig, was es für Passivhaus-Konzepte interessant macht.
Herstellung und Verarbeitung
Die Herstellung erfolgt meist durch ein nasses Mischverfahren. Das Papier wird in Wasser zu einem Faserbrei (Pulp) aufgelöst, bevor die mineralischen Bindemittel hinzugefügt werden. Nach dem Gießen in Formen erfolgt ein meist mehrtägiger Trocknungsprozess. Im handwerklichen Bereich lassen sich Steine vor Ort gießen, was hohe Transportemissionen einspart.
Herausforderungen in der DACH-Region
Obwohl ökologisch sinnvoll, steht der Nutzung in Deutschland eine Hürde entgegen: Die bauaufsichtliche Zulassung. Da es sich um ein oft manuell gefertigtes Komposit handelt, fehlen standardisierte DIN-Normen für statische Berechnungen. Architekten sind hier auf Einzelzulassungen (Zustimmung im Einzelfall) angewiesen, was die Skalierung erschwert.
Ökologische Bilanz
Papercrete gilt als Upcycling-Produkt. Die Einsparung grauer Energie im Vergleich zu konventionellem Beton oder Porenbeton ist signifikant, sofern regional gesammelte Altpapierströme genutzt werden. Der Wasserbedarf in der Produktion und der Bedarf an Schutz gegen Feuchtigkeit sind jedoch ökologische Aspekte, die in der Lebenszyklusanalyse kritisch betrachtet werden müssen. Ein optimaler Schutz gegen Kapillarwasser oder direkte Bewitterung ist durch einen mineralischen Außenputz zwingend erforderlich.
🧩 Systemische Einbettung
Kein Baustoff funktioniert allein. Papercrete entfaltet seine Stärken im richtigen System. Hier sind die optimalen Kombinationen:
Dieses Material ist typischerweise Teil eines integrierten Bausystems. Wohngesundheit, Zirkularität und Energieeffizienz entstehen nicht durch Einzelmaterialien, sondern durch das Zusammenspiel aller Schichten.
Beim Umbau von Bestand kann dieses Material gezielt als Verbesserungsschicht eingesetzt werden — immer in Abstimmung mit dem restlichen Wandaufbau.
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