Naturfarben
Stand: 3. November 2026
Naturfarben basieren auf nachwachsenden Bindemitteln wie Kalk, Leinöl oder Kasein und fördern durch ihre Diffusionsoffenheit das Raumklima. Sie verzichten auf synthetische Polymere und bilden keinen geschlossenen Kunststofffilm.
Naturfarben sind Anstrichmittel auf Basis natürlicher Bindemittel wie Leinöl oder Kalk. Sie sind diffusionsoffen, kapillar leitfähig und fördern die Feuchtigkeitsregulierung in natürlichen Wandaufbauten.
Was ist es
Naturfarben sind Anstrichmittel, deren Bindemittel auf nachwachsenden Rohstoffen wie Leinöl, Kasein, Kalk oder pflanzlichen Harzen basieren. Als Lösungsmittel werden Wasser oder natürliche Terpene eingesetzt, wobei auf synthetische Polymere verzichtet wird. Die Pigmentierung erfolgt durch mineralische oder pflanzliche Stoffe. Diese Farben bilden keinen geschlossenen Kunststofffilm, sondern sind diffusionsoffen.
Wie wirkt es im Gebäude
Die bauphysikalische Wirkung basiert auf der Sorptionsfähigkeit der Bindemittel. Kalk- und Lehmfarben unterstützen die Feuchtigkeitsregulierung des Untergrunds, da sie dampfdiffusionsoffen sind. Dies reduziert das Risiko von Kondensatbildung an der Wandoberfläche. Da auf filmbildende Kunststoffdispersionen verzichtet wird, verbleibt die Oberfläche kapillar leitfähig. Dies wirkt sich positiv auf das Raumklima in diffusionsoffenen Wandaufbauten wie Stroh- oder Holzbaukonstruktionen aus.
Wann sinnvoll
Naturfarben sind in diffusionsoffenen Wandaufbauten sinnvoll, insbesondere auf mineralischen Putzen (Lehm, Kalk) oder Holzoberflächen. Sie sind geeignet, wenn eine kapillar aktive Oberfläche gewünscht ist, um Feuchtigkeitspufferungen der Untergründe nicht durch sperrende Schichten zu blockieren. Bei der Sanierung von historischer Bausubstanz bieten sie chemische Kompatibilität mit traditionellen Baustoffen.
Wann nicht sinnvoll
Naturfarben sind auf Untergründen, die eine hohe mechanische Versiegelung oder eine spezifische chemische Resistenz erfordern, nicht sinnvoll. In Bereichen mit direkter Spritzwasserbelastung ohne ausreichende mineralische Abbindung können Naturfarben schneller erodieren als synthetische Lacke. Auf Untergründen, die bereits mit konventionellen Dispersionsfarben vorbehandelt wurden, ist die Haftung oft unzureichend, sofern diese nicht vollständig entfernt werden.
Kosten und Aufwand
Die Materialkosten sind im Vergleich zu Standard-Dispersionsfarben oft höher, da die Rohstoffgewinnung und Verarbeitung zeitaufwendiger ist. Der Verarbeitungsaufwand ist bei Kalk- oder Kaseinfarben höher, da diese oft frisch angerührt werden müssen und eine längere Trocknungszeit oder spezifische Untergrundvorbehandlung benötigen. Eine pauschale Kostenangabe ist ohne objektbezogene Leistungsbeschreibung nicht möglich. Dazu liegt kein belegter Kennwert vor.
Evidenzlage
Die physikalischen Eigenschaften wie Diffusionswiderstandszahl (µ-Wert) sind für viele Naturfarben durch Prüfzeugnisse nach DIN EN ISO 12572 belegt. Es existieren EPDs (Umweltproduktdeklarationen) für verschiedene Hersteller, die den Lebenszyklus dokumentieren. Dennoch variieren die Inhaltsstoffe je nach Rezeptur stark, weshalb objektspezifische Datenblätter der jeweiligen Hersteller gemäß VOB einzuholen sind.
🧩 Systemische Einbettung
Kein Baustoff funktioniert allein. Naturfarben entfaltet seine Stärken im richtigen System. Hier sind die optimalen Kombinationen:
Dieses Material ist typischerweise Teil eines integrierten Bausystems. Wohngesundheit, Zirkularität und Energieeffizienz entstehen nicht durch Einzelmaterialien, sondern durch das Zusammenspiel aller Schichten.
Beim Umbau von Bestand kann dieses Material gezielt als Verbesserungsschicht eingesetzt werden — immer in Abstimmung mit dem restlichen Wandaufbau.
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Der Building Advisor zeigt Ihnen, welche Systemkombination zu Ihrem Profil, Budget und Zielstandard passt — inklusive Förderungen und 50-Jahr-Kosten.
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