Myzelium-Dämmung
Stand: 3. November 2026
Myzelium-Dämmung ist ein biobasierter Dämmstoff, der durch das Zusammenwachsen organischer Substrate mittels Pilzmyzel entsteht. Das Material bietet eine thermische Isolierwirkung und lässt sich in diffusionsoffenen Konstruktionen einsetzen.
Myzelium-Dämmung ist ein biobasierter Werkstoff aus Pilzgeflecht und organischen Reststoffen. Er ist geeignet für die Dämmung von Innenwänden und Dachschrägen in diffusionsoffenen Bauweisen, erfordert jedoch eine bauaufsichtliche Prüfung im Einzelfall und ist feuchteempfindlich.
Was ist es
Myzelium-Dämmung basiert auf der kontrollierten Durchwachsung von organischen Reststoffen wie Stroh, Hanfschäben oder Holzspänen durch das vegetative Geflecht (Myzel) von Pilzen. Dieser biologische Prozess verbindet die Substrate zu einem festen, plattenförmigen Material. Die Struktur wird nach Erreichen der gewünschten Dichte durch thermische Behandlung deaktiviert, um ein weiteres Wachstum zu unterbinden.
Wie wirkt es im Gebäude
Das Material fungiert primär als thermische Dämmung. Bezüglich der Wärmeleitfähigkeit liegen laut aktuellen EPD-Daten für vergleichbare biobasierte Dämmstoffe Werte im Bereich von ca. 0,035 bis 0,045 W/(mK). Durch seine poröse Struktur besitzt der Werkstoff eine kapillare Leitfähigkeit, die einen Feuchtetransport innerhalb der Konstruktion ermöglicht. Die Dampfdiffusionswiderstandszahl liegt in einem Bereich, der eine diffusionsoffene Bauweise begünstigt. Das Brandverhalten wird bei unbehandelten Myzel-Dämmstoffen meist in die Klasse E gemäß DIN EN 13501-1 eingeordnet, sofern keine zusätzlichen Brandschutzadditive zugesetzt werden.
Wann sinnvoll
Der Einsatz ist sinnvoll in konstruktiven Holzrahmenbauweisen, bei denen eine ökobilanzielle Optimierung durch den Einsatz nachwachsender Rohstoffe angestrebt wird. Besonders in Gefachdämmungen von Innenwänden oder in Dachschrägen, die keinen direkten Witterungseinflüssen ausgesetzt sind, bietet das Material eine Alternative zu mineralischen oder synthetischen Dämmstoffen. Auch bei der Sanierung von Gebäuden mit diffusionsoffenen Anforderungen kann Myzelium zur Verbesserung der thermischen Bilanz beitragen.
Wann nicht sinnvoll
Das Material ist nicht geeignet für erdberührte Bauteile oder Bereiche mit dauerhafter direkter Feuchtebelastung, da es trotz seiner biologischen Herkunft bei unsachgemäßer Feuchteeinwirkung zur Schimmelbildung neigen kann. Auch in Bereichen mit hohen Brandschutzanforderungen (z. B. Fluchtwege) ist das Material ohne weitergehende, zertifizierte Brandschutzausrüstung kritisch zu bewerten. Für die Fassadendämmung im Außenbereich ist es derzeit bauaufsichtlich nicht als Standardlösung ohne zusätzliche Schutzschicht zugelassen.
Kosten und Aufwand
Aktuell ist die Produktion von Myzelium-Dämmplatten oft noch kleinteilig organisiert. Dies führt dazu, dass die Materialpreise im Vergleich zu industriell gefertigter Glaswolle oder Polystyrol höher liegen. Zur Wirtschaftlichkeit bei großflächigen Anwendungen liegen noch keine ausreichenden, breit gefächerten Daten vor. Der Verarbeitungsaufwand entspricht weitgehend dem anderer formstabiler Dämmplatten.
Evidenzlage
Dazu liegt kein belegter Kennwert vor. Die bauphysikalische Datenbasis hinsichtlich Langzeitverhalten unter realen klimatischen Bedingungen in der Bundesrepublik Deutschland ist begrenzt. Es existieren derzeit nur wenige allgemeine bauaufsichtliche Zulassungen für Myzelium-Dämmstoffe, was die Planung in genehmigungspflichtigen Projekten erschwert.
🧩 Systemische Einbettung
Kein Baustoff funktioniert allein. Myzelium-Dämmung entfaltet seine Stärken im richtigen System. Hier sind die optimalen Kombinationen:
Dieses Material ist typischerweise Teil eines integrierten Bausystems. Wohngesundheit, Zirkularität und Energieeffizienz entstehen nicht durch Einzelmaterialien, sondern durch das Zusammenspiel aller Schichten.
Beim Umbau von Bestand kann dieses Material gezielt als Verbesserungsschicht eingesetzt werden — immer in Abstimmung mit dem restlichen Wandaufbau.
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