Innenraumklima
Stand: 3. November 2026
Das Innenraumklima umfasst die klimatischen Bedingungen wie Temperatur, Feuchte und Luftqualität in Wohn- und Arbeitsräumen. Durch den Einsatz diffusionsoffener Materialien wie Lehm und Holz kann die bauphysikalische Pufferwirkung passiv beeinflusst werden.
Das Innenraumklima wird durch thermische Behaglichkeit, Luftfeuchtigkeit und Schadstoffkonzentration definiert. Eine positive Beeinflussung erfolgt bei diffusionsoffenen Konstruktionen durch die Sorptionsfähigkeit von Materialien wie Lehm und Holz, ergänzt durch eine Lüftungsstrategie.
Was ist es
Das Innenraumklima definiert die physikalischen und chemischen Parameter innerhalb eines Gebäudes, die maßgeblich durch die Materialwahl und die Gebäudehülle beeinflusst werden. Zu den Kernfaktoren zählen nach DIN EN 16798-1 die thermische Behaglichkeit, die Raumluftqualität (CO₂-Gehalt, VOC-Konzentrationen) sowie die Luftfeuchtigkeit. Materialien wie Holz, Lehm und Stroh verfügen über bauphysikalische Eigenschaften, die den Feuchtigkeitsaustausch regulieren können, ohne dass technische Anlagen zwingend intervenieren müssen.
Wie wirkt es im Gebäude
Die Wirkung basiert auf der Sorptionsfähigkeit von Baustoffen. Lehm kann laut wissenschaftlichen Untersuchungen Feuchtigkeit aus der Raumluft aufnehmen und bei Trockenheit wieder abgeben. Holzoberflächen tragen durch ihre geringe Wärmeleitfähigkeit zu einer höheren Oberflächentemperatur der Wände bei, was das Strahlungsempfinden der Nutzer verbessert. Hanf- und Strohdämmungen bieten hohe Speichermassen, die Temperaturspitzen im Tagesverlauf dämpfen können, sofern die Konstruktion ausreichend diffusionsoffen ausgeführt ist.
Wann sinnvoll
Der Einsatz von diffusionsoffenen, kapillaraktiven Materialien ist sinnvoll, wenn eine hohe Aufenthaltsqualität angestrebt wird und die Nutzer eine natürliche Regulierung gegenüber komplexer Lüftungstechnik bevorzugen. Es ist indiziert bei Neubauten und Sanierungen, bei denen die Gebäudehülle auf den Feuchtigkeitsdurchgang optimiert ist, um Schimmelbildung durch Kondensation zu vermeiden.
Wann nicht sinnvoll
Die passive Regulierung stößt an Grenzen bei extremen Nutzerdichten, in denen die anfallende CO₂-Last durch natürliche Infiltration nicht mehr abgeführt werden kann. In hermetisch abgedichteten Gebäuden ohne definierte Lüftungskonzeption führt die alleinige Materialwahl nicht zum Erfolg. Zudem ist sie nicht sinnvoll, wenn keine Instandhaltungsstrategie für die Oberflächen (z. B. Lehmputz) vorhanden ist, da diese empfindlich auf mechanische Beanspruchung reagieren.
Kosten und Aufwand
Die Investitionskosten für natürliche Baustoffe liegen im Vergleich zu konventionellen Systemen in einem mittleren bis höheren Segment. Der Mehraufwand bei der Planung resultiert aus der notwendigen hygrothermischen Simulation, um das Zusammenspiel der Komponenten zu gewährleisten. Dazu liegt kein belegter Kennwert vor, da die Kosten stark von der Projektgröße abhängen.
Evidenzlage
Die physikalischen Wirkungsweisen von Sorption und Wärmespeicherung sind durch die Bauphysik (DIN 4108) und zahlreiche Materialuntersuchungen (z. B. durch Fraunhofer IBP) gut belegt. Die Auswirkungen auf das menschliche Befinden unterliegen individuellen Schwankungen, weshalb sie in der Normung oft als Korridor und nicht als punktgenauer Wert angegeben werden.
🧩 Systemische Einbettung
Kein Baustoff funktioniert allein. Innenraumklima entfaltet seine Stärken im richtigen System. Hier sind die optimalen Kombinationen:
Dieses Material ist typischerweise Teil eines integrierten Bausystems. Wohngesundheit, Zirkularität und Energieeffizienz entstehen nicht durch Einzelmaterialien, sondern durch das Zusammenspiel aller Schichten.
Beim Umbau von Bestand kann dieses Material gezielt als Verbesserungsschicht eingesetzt werden — immer in Abstimmung mit dem restlichen Wandaufbau.
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