Hanfkalk
Stand: 3. November 2026
Hanfkalk ist ein Verbundbaustoff aus Hanfschäben und Kalk, der als monolithisches, diffusionsoffenes Wandbausystem eingesetzt wird. Das Material reguliert durch seine sorptionsfähigen Eigenschaften das Raumklima und dient als Wärmedämmung.
Hanfkalk ist ein diffusionsoffener, mineralisch gebundener Verbundbaustoff aus Hanfschäben und Kalk. Er wird als nicht-tragende Dämm- oder Ausfachungsschicht verwendet und zeichnet sich durch seine Feuchtigkeitsregulierung sowie Wärmedämmfähigkeit aus.
Was ist es
Hanfkalk, auch als Hempcrete bezeichnet, ist ein Verbundbaustoff, der aus dem verholzten Kernteil der Hanfpflanze (Hanfschäben) und einem kalkbasierten Bindemittel besteht. In der Anwendung wird das Gemisch meist vor Ort in eine Schalung gestampft oder gegossen. Es handelt sich um ein diffusionsoffenes Material, das ohne zusätzliche Dämmstoffe auskommt, sofern die Wandstärke entsprechend bemessen ist.
Wie wirkt es im Gebäude
Die Materialzusammensetzung ermöglicht eine sorptionsfähige Wandkonstruktion. Dies bedeutet, dass die Wände Feuchtigkeit aus der Innenraumluft aufnehmen und bei sinkender Luftfeuchtigkeit wieder abgeben können. Bezüglich der Wärmedämmung weist Hanfkalk eine Wärmeleitfähigkeit auf, die nach allgemeinen bauphysikalischen Tabellenwerken typischerweise im Bereich von 0,06 bis 0,09 W/(m·K) liegt. Die thermische Speicherfähigkeit trägt bei ausreichender Wanddicke zur Dämpfung kurzzeitiger Temperaturschwankungen bei. Schallschutztechnisch bietet der Werkstoff aufgrund seiner porösen Struktur gute Absorptionswerte im mittleren und hohen Frequenzbereich.
Wann sinnvoll
Hanfkalk eignet sich als monolithisches Wandbausystem für Neubauten oder energetische Sanierungen im Bestand, bei denen eine hohe Wasserdampfdurchlässigkeit gefordert ist. Er ist besonders in Kombination mit Holztragwerken vorteilhaft, da die hygroskopischen Eigenschaften beider Materialien harmonieren. Der Einsatz ist sinnvoll, wenn die konstruktive Planung eine dauerhaft trockene Umgebung und einen konstruktiven Holzschutz berücksichtigt.
Wann nicht sinnvoll
Das Material ist nicht als tragender Werkstoff für hochbelastete Bauteile geeignet. Bei dauerhafter Feuchtebelastung ohne ausreichende Austrocknungsmöglichkeiten ist die Gefahr von Schimmelbildung gegeben. Eine Anwendung in direktem Bodenkontakt ohne fachgerechte vertikale und horizontale Feuchtigkeitssperre ist zu unterlassen. Auch in Bereichen mit hohen mechanischen Beanspruchungen oder bei sehr geringen Wandstärken, die den Dämmwert nicht erfüllen, ist der Einsatz nicht zweckmäßig.
Kosten und Aufwand
Dazu liegt kein belegter Kennwert vor. Die Kosten hängen maßgeblich vom lokalen Bezug der Schäben, der Art des Bindemittels und der gewählten Verarbeitungsmethode (manuelle Stampfung vs. maschinelle Schüttung) ab. Der Zeitaufwand für die Trocknung der Wand nach dem Einbau ist signifikant und muss in den Bauzeitenplan integriert werden.
Evidenzlage
Es liegen verschiedene Forschungsberichte zu Materialeigenschaften vor. Eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung (abZ) oder eine Europäische Technische Bewertung (ETA) ist für spezifische Systemaufbauten notwendig, da Hanfkalk als Bauweise in Deutschland bisher nicht durch eine harmonisierte Norm abschließend geregelt ist. Die mechanischen Kennwerte müssen für jedes spezifische Mischungsverhältnis nachgewiesen werden.
🧩 Wo Hanf/Hanfkalk optimal eingesetzt wird
Kein Baustoff funktioniert allein. Hanfkalk entfaltet seine Stärken im richtigen System. Hier sind die optimalen Kombinationen:
Hanfkalk ist die historisch bewährte Ausfachung für Fachwerk: feuchteregulierend, dampfdiffusionsoffen, antischimmel.
Hanfmatte oder Hanfkalk-Einblasdämmung in Holzrahmen: schadstoffneutral, schimmelresistent, setzt kein Ausgasen frei.
Hanfkalk kann ohne Dampfsperre eingesetzt werden — ideal bei Denkmalschutz wo Außendämmung nicht möglich ist.
Hanfkalk + Kalkputz außen + Lehmputz innen = das vollständig diffusionsoffene, schadstofffreie System.
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